LLORENÇ BARBER | Glocken; MONTSERRAT PALACIOS | Gesang
Llorenç Barber bäckt keine kleinen Brötchen. Der 1948 im ostspanischen Ailo de Malferit geborene Komponist, Musikwissenschafter und Performer steht für spektakuläre Musikereignisse wie eine Konzertschlacht mit 17 Schiffen der spanischen Flotte oder eine synästhetische Raumkomposition mit 1700 MusikerInnen. Barbers Vorhaben, an diesem Abend u.a. die Glocken der Göttweiger Stiftskirche zum Einsatz zu bringen, lässt da ein vergleichsweise (intimes) Klangambiente erwarten. Freilich geht der außermusikalische Anspruch, den Barber, Professor am Madrider Ästhetik-Institut, stellt, weit über den Konzert-Aspekt hinaus: „Bei einem Glockenkonzert erscheint der Ort der Glocken - ob Stadt oder Stift - als lebendiges Wesen, in dem Jede und Jeder Bestandteil ist, ob Bewohner oder zufällig Durchreisender. Durch seine Glockenmusik steigt der Klang eines Ortes von der bewohnten Erde in Richtung Kosmos empor. Die Musik ist nie allein.“ Für diese Uraufführung hat Composer In Residence Barber einerseits TeilnehmerInnen der Musikwerkstatt zur Mitwirkung eingeladen und präsentiert andererseits eine hochinteressante Persönlichkeit als Co-Komponistin: die in Mexiko geborene, in Valencia wohnhafte Sängerin und Ethnomusikologin Montserrat Palacios. Sie ist ihm bereits bei Projekten der spanischen Avantgarde-Szene zur Seite gestanden - etwa in Arbeiten für das Medialab-Prado in Madrid, einem Programm der Stadtverwaltung, das sich der Verflechtung von Kunst, Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft widmet.
Die Einbindung von Kunst in den Alltag und in den öffentlichen Raum ist beiden ein Herzensanliegen - so ist auch der erste Teil dieses Abends als Fusion von Räumen, Konzepten und Ideen zu erleben.
Evelyn Fink-Mennel & Nataša Mirković-De Ro - "Alpen-Balkan-Credos" | Österreich, Bosnien-Herzegowina
EVELYN FINK-MENNEL | Gesang, Geige; NATAŠA MIRKOVIĆ-DE RO | Gesang, Toys
Der zweite Teil dieses Konzertabends bringt ein doppeltes Duo-Debut in Göttweig: Evelyn Fink-Mennel übernimmt die Leitung der Musikwerkstatt und präsentiert mit Natasa Mirkovic-De Ro die Premiere ihres Dialog-Programmes. Sie haben beide Kunstmusik studiert (die eine Gesang, die andere Geige). Sie waren und sind aber darüber hinaus von ethnischer Musik fasziniert und inspiriert, von deren Ausdruckskraft und Stilvielfalt, dem Tiefgang in der Schlichtheit ebenso wie von deren Unschärfen. Dort, wo etwas nicht eindeutig ist, lässt sich viel sagen. Das lässt die Musik atmen und zum selbständigen Wesen werden. Die musikalischen Stilpluralistinnen haben ähnliche Zugänge zur Musik. Das lebt und bebt, im Stillen wie im Lauten, im Flüstern wie im Jodeln. Beide bringen ihre ganz unterschiedlichen, weitgesteckten Vokalrepertoires ein, mit Elementen vom Balkan- und Alpenraum, mit Arrangements und Eigenkompositionen, vom Schwarzen Meer flussaufwärts entlang der Donau bis in die Wachau und in den Wilden Westen Österreichs. Bei der Werkstatt 09 haben sie im "Sekundensingen" ihr Stimmen-ABC gefunden: Alpen-Balkan-Credos - Stimmvergnügen ohne Grenzen und alphabetische Ordnung!
Bewirtung im Stiftshof vom Bioheurigen Weinschwärmerei Harm ab 18:00 Uhr