Tuesday 2. June 2020

Unsicherheit

28.05.2020, 08:24 Uhr
Wann wird die Pandemie aufhören?
Wie wuchtig wird die zweite Welle sein?

Dass wir kaum genaue Antworten darauf bekommen,
ist zwar halbwegs erträglich.

Aber wie schaut es mit den Daten der Forscher aus:
Warum trifft die Krankheit manche so, andere anders?

Dass die Forscher uns darauf (noch) nicht antworten können,
ist schon etwas schwieriger zu ertragen.
Die Unsicherheit lastet global auf uns.

Der Heilige Geist gibt Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis,
Stärke, Gerechtigkeit (Frömmigkeit) und Gottvertrauen (Gottesfurcht).
Diese Gaben desinfizieren die Angst vor der Unsicherheit.

Damit werden wir die Vorsichtsmaßnahmen
in aller Ruhe annehmen
– allerdings auch nicht verharmlosen.

(Gedanken zum Pfingstfest)

Verherrlichen

21.05.2020, 12:29 Uhr
Kein Ausdruck passt besser als „verherrlichen“ für diesen Moment,
in dem Gottes Herrlichkeit sichtbar wird, erfahrbar, wirksam.

Jesus und der Vater „verherrlichen“ einander.
Dazu vertrauen sie einander
– komme, was kommen mag.

Und es kommt so weit, dass der Sohn sterben muss.
Dabei bricht das gegenseitige Vertrauen nicht ab.
Darum kann ihn der Vater von den Toten erwecken.

Für solche Wunder sind Ausdrücke wie „cool“, „geil“, usw.
alle nicht so treffend wie „verherrlicht“.

Und es beginnt mit dem gegenseitigen Vertrauen.

Doch über uns sagt Jesus vorher noch,
dass er auch in uns „verherrlicht“ ist
– in uns, die wir an ihn glauben, ihm vertrauen…

(Gedanken zum 7. Sonntag der Osterzeit A)

Freiheit atmen

14.05.2020, 08:38 Uhr
Ein Blick in die Freiheit hinaus
und ein Blick in die innere Freiheit:

Ausgerechnet in diesen Tagen,
in denen die Lockerungsverordnung
uns die geduldig ersehnte Freiheit atmen lässt,

verkünden uns genau an diesem Sonntag
die Schrifttexte eine Lockerungsverordnung nach innen,
die diese äußere Freiheit erst begründet und dann bekräftigt.

Wenn wir „geheiligt werde dein Name“ l e b e n,
dann heiligen wir Christus in unseren Herzen,
wie uns Petrus in der zweiten Lesung schreibt.

Wie wir die Luft „ein- und ausatmen“
und die Freiheit,
so auch den Heiligen Geist
(vgl. Erste Lesung und Evangelium).

Diese Erfüllung innen und außen haben sowieso alle,
die es schaffen, den Augenblick auszukosten.

Wer es nicht so leicht schafft, aber an den Auferstandenen glaubt,
der findet am Sonntag Mut dazu in den Schriftlesungen.

(Gedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit A)

dankbar und genügsam

07.05.2020, 08:33 Uhr
Jesus sagt uns:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“

Wer verwirrt uns denn heutzutage?

Meiner Meinung nach jeder, der behauptet, er hätte „die Lösung“,
oder der es vielleicht nicht ausdrücklich behauptet,
es aber in seinen Aussagen andeutet
oder versteckt durchklingen lässt.

„Die Lösung“ gibt es nämlich noch nicht.

Lasst uns also nicht in die „Ich-habe-die-Lösung“-Falle geraten.

Ein Mittel, sich nicht verwirren zu lassen, ist,
dankbar und genügsam zu sein.

Das macht einen außerdem auch geduldig und lebensfroh.

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“

(Gedanken zum 5. Sonntag der Osterzeit A)

Herdenloyalität und Mehrheitsethik

30.04.2020, 08:34 Uhr
Die Herde hört auf ihn und läuft ihm nach.

Das mag anfangs ganz gut sein,
in Krisenzeiten ist es womöglich die beste Lösung.

Aber spätestens wenn er bei Lebensgefahr davonlaufen sollte,
wird sich die Herdenloyalität von selbst auflösen.

Gerade in diesen Tagen wird in Österreichs Medien
eine von Angst motivierte Herdenloyalität beanstandet.

Zugleich wird gerade an diesem Sonntag im Evangelium weltweit
die Herdenloyalität rund um den guten Hirten gewürdigt.

In den österreichischen Medien geht es um eine gutgläubige Herde.
Im weltweiten Evangelium geht es hingegen um den guten Hirten.

Dieser läuft weder bei Lebensgefahr davon,
noch entscheidet er nach einer Mehrheitsethik,

die vermutlich überall latent vorhanden ist,
derzeit aber gerade in Deutschland offen liegt, denn „einer muss es mal sagen…“.

Mancher Hirte beurteilt nämlich die Lebenswürde des Einzelnen
an der Qualität der Mehrheit, und nimmt dafür „ein paar“ Tote in Kauf.
Der gute Hirte hingegen springt für jeden Einzelnen ein. Auch für dich.

Ob der irdische Hirte auch eines Tages davonläuft, lässt sich nicht vorhersagen.
Der gute Hirte bleibt dir jedenfalls treu.

(Gedanken zum 4. Sonntag der Osterzeit A)

Widersinnig

23.04.2020, 08:09 Uhr
Die Fischer haben soeben ihre nächtliche Fahrt beendet.
Sie sind von der Arbeit im Dunkeln erschöpft.

In dieser Nacht haben sie nichts gefangen,
und mit leeren Händen stehen sie nun da.

Am Land mischt sich ein Unbekannter ein und sagt ihnen,
dass sie nochmals fischen gehen sollen.

Nochmals fischen ist in ihren Augen total widersinnig.
Aber sie entscheiden sich dafür, dem Guten eine Chance zu geben,

und zwar nicht aus Unterwürfigkeit oder aus blindem Gehorsam,
auch nicht aus Angst,
sondern aus freiem und selbstständigen Entschluss.

Das Ergebnis ist ein voller Erfolg.

(Gedanken zum 3. Sonntag der Osterzeit A)

Der achte Tag

16.04.2020, 08:15 Uhr
Zuerst erscheint der Auferstandene am ersten Tag.
Acht Tage darauf erscheint er wieder.

Der symbolische achte Tag
stellt die endzeitlich erwartete Erlösung dar,

weil mit ihm die Überwindung – und damit das Ende –
des stets wiederkehrenden Sieben-Tage-Zyklus erfolgt.

Viele urchristliche Taufkapellen bis zum 5. Jh.,
und manche auch bis in die Barockzeit hinein
wurden deswegen als Achteck gebaut.

Der achte Tag tritt dann ein,
wenn alle Beschränkungen aufgelöst sind,
auch die zwischen Gott und den Menschen.

So erahnt der Gläubige,
der seine Taufe bewusst lebt,
das Ende aller Beschränkungen.

Und schon heute feiert er diesen achten Tag voraus.

(Gedanken zum 2. Sonntag der Osterzeit A)
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